Skitourenwoche Preda
09.03.2013 - 16.03.2013


Verfasser: Ann
Teilnehmer: Hanspeter, Röbi, Susanne, Theres, Marlies, Brigitte & Kurt, Koni, Thuri, Tschäpps, Ann & Pedro
Ort/Region: Bergün, Preda

Photos:
  

Hotel-Skitourenwoche Preda, 9.-16. März 2013
Tourenleiter: Hanspeter Helbling, Röbi Guggenbühl

Teilnehmer: Susanne, Theres, Marlies, Brigitte & Kurt, Koni, Thuri, Tschäpps, Ann & Pedro

Sa, 9. März, Einlauftour bis 2270 m (ca. 480 Hm)
Individuelle Anreise nach Bergün und gemeinsame Fahrt zum Hotel Preda Kulm (1789 m). Um 11 Uhr starten wir bei Sonnenschein, +1° C, mässiger Lawinengefahr, auf der schneebedeckten Albulapass-Strasse Richtung Lai da Palpuogna und in die rechts liegenden Hänge. Im Anstieg durch den Lärchenwald gleicht unsere Gruppe einem Stretch-Tatzelwurm, vorne die Elite mit drei Mann und hinten die Geniesser-/Rentner-Band mit eiserner Reserve für die befürchtete bösartige Abfahrt. Die Skistöcke versinken nämlich ungewollt tief im Nassschnee. Nach zwei Stunden beenden wir unsere Einlauftour bei einer grossen Arve und zunehmender Bewölkung. Röbi hat gut gespurt und gleichzeitig auch andere Hänge studiert, damit wir bestens hinunterkurven können. Weiter unten werden die Ausreisser, welche lieber abkürzen statt die Strasse zu benützen, von der Natur ultimativ belehrt.

So, 10. März, Grat unterhalb vom Piz Zavretta, 2900 m (ca. 1100 Hm)
Sonne pur, wolkenlos, -4°C, mässige Lawinengefahr. In Ferienlaune sind alle um 9 Uhr vor dem Hotel bereit, und es geht gleich zur Sache. Röbi schreitet mit seinem effizienten Berglerschritt mit der ersten Gruppe davon bzw. den Wald hinauf. Ein Hauch von Neuschnee liegt auf der leider nur teilweise gefrorenen Schneedecke. Ohne eine einzige Spitzkehre erreichen wir oberhalb der Baumgrenze unberührtes Firngelände im Val Zavretta und viel versprechende Abfahrtshänge. Die alte, leicht zugeschneite Aufstiegsspur ist gut angelegt mit einigen Spitzkehren. Nach der zweiten Pause muss Röbi wieder volle Spurarbeit leisten bis zum Ziel und meistert dies in seinem gleichmässigen Tempo, als gäbe es keine rutschigen Stellen unter dem glitzernden Pulverschnee. Unser Gipfelgrat bietet ein grossartiges alpines Panorama auf beide Seiten, jedoch mit aufkommenden Wolken am Horizont. Und die Abfahrt lässt keine Wünsche offen: kurven wie die Könner, zöpfeln wie die Perfektionisten, rockern oder sliden wie die Könige, sausen wie die Wilden… bei diesem fantastischen Pulver- und anschliessendem Sulzschnee. Doch weiter unten kommt plötzlich ein jähes Ende dieses Vergnügens: fiese Falltüren von der gröberen Sorte. Wir verschwinden plötzlich (filmreif) wie eingemauert in einer Pappe, dass wir uns nur mit viel Kraft oder mit Hilfe von anderen befreien können.

Mo, 11. März, K2, 2845 m (ca. 1000 Hm)
Viel Sonnenschein, Schleierwolken, -1°C, mässige Lawinengefahr. Heute wird Jürg, vom Engandin anreisend, noch zu uns stossen. Start im Rudel auf der Albulapasstrasse und Aufstieg wie am Samstag, jedoch für die meisten harscheisig und schweisstreibend bis fast zur Höhe unserer grossen Arve. Dann trennt sich die Gruppe in 5/3/3/2. Von hier können wir ohne Harscheisen auf einer gut angelegten Spur vom Vortag aufsteigen. Den Grat ohne offiziellen Namen unterhalb des Piz Murtel Trigd (2901 m) erreichen wir bei bewölktem Himmel und weniger guten Weitsicht. Es gibt wieder eine tolle Pulverschneeabfahrt. In der Waldregion sind heute die Falltüren geschlossen (Hartschnee), dafür gemeine Hindernisse wie Steingucker oder kleine Beinstell-Bäume gestellt. Hamp goes wild und hat zum Glück gleich zwei Schutzengel, die im Abstand von 5 m mitfliegen. Er müsste eigentlich heute schon seinen Geburtstag feiern.

Di, 12. März, Furcla Mulix, 2870 m (ca. 1150 Hm)
Ein Mix aus Sonne, Wolken, Wind und etwas Schneefall erwartet uns heute bei 0°C, mässiger Lawinengefahr. Acht Personen mit Trasseur Röbi gleiten die eisige Schlittelbahn hinunter bis zum Dorf Naz (1747 m). Die anderen müssen wegen Schmerzen und Blasen pausieren. Wir machen eine „schräge“ Tour für die Kategorie mit Skihose XS short, d.h. viele Laufmeter und Schweissperlen. Bis zur Alp Mulix geht’s dem rauschenden Bach entlang, hinauf auf schmalem und hartem Pfad. Ein paar Eichhörnchen rasen von Baum zu Baum und klauen zusätzliches Futter bei den Vogelhäuschen. Leider muss noch eine Person wegen Schmerzen den Rückweg antreten. Weiter führt die Route durch sehr schönen Lärchen- und Arvenwald, durchsetzt mit vielen Steinblöcken, die alle eine dicke Schneekappe tragen. Das Ziel ist noch weit weg und die langen Schräghänge scheinen nicht enden zu wollen. Dafür ist der Schnee top – die wirkliche Motivation! Gegen den Schluss des Aufstiegs lässt Frau Holle schon ihre ersten kleinen Kissen schütteln und Mister Wind bläst auch noch um die Ohren. Auf Höhe der Furcla rüsten wir deshalb schnell um für eine stiebende Pulverschneeabfahrt im oberen Teil. Schade hat es nicht mehr solche Genusshänge statt Querungen. Die Nonstop-Waldabfahrt ist dann auch nicht ohne Spass: griffig, eng und schnell, mit vielen Aufs und Abs für Gratis-Beinmuskeltraining. Zu guter Letzt das typische Skiklub-Wettrennen von 1km und 50 Hm hinauf zum Hotel für ein kühles Bier.

Mi, 13. März, Fallo, 2558 m (ca. 800 Hm)
Die Sonne lacht, -4° C, mässige Lawinengefahr. Zur Geburtstagstour von Hanspeter ist der Fanclub wieder komplett. Die Route von Naz bis zur Alp Mulix (2001 m) kennen wir von gestern und ist hart gefroren. Im Happy-Tempo zweigen wir hier nach rechts ab, noch etwas steiler hinauf und kommen ins offene Firngelände, wo sich die Crew wieder in Kleingruppen formiert für die bewährte Strategie zum Ziel. Unsere bisherigen Touren sind alle zu sehen, auch viele andere Möglichkeiten für jeden Schwierigkeitsgrad. In Gipfelnähe zeigen uns zwei Gämsen ihre Überlegenheit im Schnee und Fels. Ohne eine einzige Spitzkehre erreichen wir einen wunderschönen 360°-Aussichtspunkt. Ausserdem haben Kurt und Tschäpps noch eine Geburtstags-Überraschung bereit und ziehen zwei Flaschen Weisswein aus ihren verkappten Apéro- Rucksäcken. Der Schnee bei der Abfahrt zeigt seine ganze Palette von Pulver, Deckel, Firn und Sulz. Das prächtige Bergwetter hält an bis zum Schluss der Tour und verschlechtert sich erst am späteren Nachmittag.

Do, 14. März, Ruhetag
Wintereinbruch, leichter Schneefall, Nebel in den Bergen, Nordwind, -10° C. Wir entschliessen uns für eine Cool- oder (Kul)tour und besuchen das interessante Bahnmuseum Albula in Bergün unter dem Motto „Verruckti Khöga“. Hier erfahren wir faszinierende Details über die 110-jährige spektakulärste Bahnstrecke der Schweiz, die 2008 als UNESO Weltkulturerbe ausgezeichnet wurde. Der Dorfkern mit seinen bemalten und aufwändig verzierten Häusern ist ebenso sehenswert.

Fr, 15. März, Furcla Danclér, 2588 m (Tourabbruch, ca. 530 Hm)
Kräftiger Nordföhn 60-90 km/Std., nur wenig Sonne, -15° C. Wir wagen uns wieder ins Gelände und trappen mit Gast Jürg die Albulapassstrasse hinauf wie bereits am Montag. Schon früh werden die Harscheisen montiert. Dann wählt Röbi eine vorerst elegantere, dann direktere Route mit einer kühnen Spitzkehre an sehr steiler Hanglage, bei der man eine senkrechte Schneewand vor sich hat. Der Mann für alle Fälle von ganz hinten und Hanspeter kommen uns Frauen sofort zu Hilfe für den letzten Kick. Nach dieser Schlüsselstelle dürfen wir wählen: Einige steigen mit Hanspeter in der nun bissigen Kälte weiter in die bekannte Richtung „grosse Arve“ auf. Die anderen sechs möchten mindestens einen neuen Hang hinunter fahren und nehmen mit Röbi die linke Flanke von Salamun in Angriff mit vier very gächen (hausstockmässigen) Spitzkehren. Der Mann für alle Fälle muss dieses Mal einem anderen Mann den Anstoss geben, während wir zwei Frauen alleine zurecht kommen müssen. An der schwierigsten Stelle assistiert dann glücklicherweise Koni mit seiner Schaufel. Auf 2300 m wird der Wind immer stärker, das Schneegestöber intensiver und die Sonne immer schwächer. Deshalb entschliessen wir uns zur Abfahrt, die uns sehr gefällt, vor allem das Schlängeln weiter unten um die jungen Bäume auf griffigem Terrain. Unsere Freunde der Arven-Tour haben eine gute Piste hinterlassen und sitzen bereits am runden Tisch, als wir zurückkehren. Die Diskussion rund um Spitzkehren wird noch hitziger und spitzt sich zu...

Sa, 16. März, Furcla Zavretta, 2888m (ca. 1100 Hm)
Sonne pur und wolkenlos, etwas weniger starker Nordwind, -20° C. Neun Teilnehmer sind nochmals voll motiviert bei diesem Traumwetter. Hinter dem Hotel geht’s gleich auf bekannter Waldroute hinauf. Routiniers Röbi + Co brauchen wie immer keine Harscheisen und der Rest der Truppe, mit Eisen (ohne Gleitschritt), dafür kein warm up trotz eisiger Kälte. Im oberen Teil kommen wir in flacheres Gelände und in eine langgezogene Mulde, die mit zunehmender Höhe zum Windkanal mutiert. Auf beiden Seiten bewundern wir die reliefartigen Strukturen, die der Wind über Nacht geformt hat: Für die Abfahrt werden diese Schneeverfrachtungen bestimmt ebenso spannend sein. Am Vorabend wurde beschlossen, dass um 12 Uhr der Wendepunkt gesetzt wird, damit wir rechtzeitig nach Hause kommen. Die stärkeren vier Läufer erreichen das Ziel mit einem grandiosen Blick zum höchsten Gipfel Graubündens, der Bernina, aber auch zum Ortler, Cevedale und vielen anderen markanten Trabanten, während die anderen unterhalb der Furcla einen windgeschützten Platz suchen und auf die teils ruppige Gratabfahrt lieber verzichten. Die Hänge wären bei richtigem Tiefschnee ein absoluter Traum, aber jetzt erfordern sie viel Feingefühl… und wer hat, ist mit der Rockertechnologie sehr zufrieden. Dazwischen gibt’s aber auch wunderbare Firn-Momente. Die Waldabfahrt zum Hotel, mehrheitlich auf der Aufstiegsspur, meistern wir ohne Schwierigkeiten, weil der Schnee erwartungsgemäss durchgehend gefroren ist. Happy landing und ein grosses Dankeschön unseren beiden Tourenleitern für die gute Idee und perfekte Planung eines wunderschönen Skitourengebiets und gemütlichen Hotels mit ausgezeichneter Küche. Ausserdem durfte sich jeder, je nach Tour, dort einreihen, wo er sich wohl fühlte und konnte auf Hilfsbereitschaft zählen, wenn er sie brauchte. Als Pluspunkt galt auch die Gruppengrösse auf der Tour sowie im Hotel. An diese erlebnisreiche Tourenwoche werden wir uns immer gerne erinnern. Auf Wiedersehen!

Ann








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