Pulverschneewoche Sedrun
25.02.2012


Verfasser: Ann
Teilnehmer: 10 Personen
Ort/Region: Sedrun

Photos:
Keine Alben vorhanden

Sa, 18. Februar (Anreise)
Die Reise der 10 Teilnehmer mit Fasnachtsstau nach Sedrun (1441 m) zum Hotel Oberalp dauert etwas länger als normal. Das Dorf präsentiert sich in schönster Winterpracht. Auf den Dächern lastet eine enorme Schneemasse mit vereinzelt wunderschönen Eiszapfen. Auf den umliegenden Gipfeln ist der Schnee leider fast ganz abgeblasen, kaum zu glauben in diesem Winter mit Rekord-schneehöhen. Gegen 18.00 Uhr traditioneller Apéro und kurze Begrüssung sowie Programmvorschau vom Tourenchef. Seine Rede wird aber durch die Gruppendynamik immer länger, weil Peter kaum zu Wort kommt.

So, 19. Februar, Fellilücke (Tourabbruch)
Das Wetter ist nicht gerade einladend. Kurze Zugsfahrt auf den Oberalppass (2044 m) und Kaffeehalt im Restaurant. Hier erklärt uns der TL sehr ausführlich die Verhaltensregeln bei einem Lawinenunfall, nennt Fallbeispiele und beantwortet unsere zusätzlichen Fragen. Nach dieser engagierten Diskussion starten wir motiviert mit dem Ziel Fellilücke. Wir freuen uns am vielen Schnee auf dieser Höhe, stapfen über zwei Alphüttendächer und merken bald, dass es keine Traumabfahrt geben wird. Nach ca. 20 Hm ist leider schon Schluss, absolut null Sicht, diffuses Licht und leichter Schneefall. Peter mahnt zur vorsichtigen Abfahrt wegen heimtückischen Schneeverfrachtungen. Kurz vor Tschamutt wird er selber mit einem plötzlichen Köpfler zu Fall gebracht und ist froh um seinen Helm. Unterwegs wird die Ausbildung fortgesetzt. Jedes LVS-Gerät wird getestet im Sende- und Empfangmodus. Nebst einer Suchübung gibt Peter interessante Erläuterungen zu den verschiedenen Schaufeln, Sonden und LVS-Modellen. Jetzt weiss jeder, was noch zu optimieren, immer mal wieder zu trainieren wäre und wir sind happy über diese Übung und Materialkontrolle zu Beginn dieser Tourenwoche. Einzig Claudia hat etwas mehr Höhenmeter zurückgelegt als wir auf einem der schönen und gut präparierten Winterwanderwege rund um Sedrun. Dank ihrer Initiative dürfen wir zum Abendessen in die gemütlichere Stiva Tujetschina wechseln. Daraufhin verbessert sich der Service beachtlich: Supplement und spezielle Menüwünsche werden zuvorkommend erfüllt.

Mo, 20. Februar, Camona da Maighels, 2314 m (700 Hm)
Der Blick aus dem Fenster verspricht eine Wetterbesserung; die Lawinengefahr ist immer noch erheblich. 8 Personen fahren nach Tschamutt (1645 m). Bei -7° C starten wir in anständigem Tempo (sonst droht Protokoll-abbruch) zur Maighelshütte. Die Wanderwegschilder begegnen uns auf Fusshöhe, aber auch böse Schneelöcher. Die Sonne zeigt sich ab und zu zwischen den Wolken. Eine Gruppe schwedische Skitourengänger überholen wir locker mit oder ohne „Baron de Ley“ im Magen. Ihre superbreiten Freeride-Skis mit zu schmalen Fellen sind ein Flop an den Schräghängen, aber sicher ein totaler Genuss in der Abfahrt. Nach einer gemütlichen Mittagspause in der Hütte ist es schon recht sonnig. Dank der Kälte ist der wenige Neuschnee perfekt. Wir erfreuen uns an einigen schönen Hängen, genau das haben wir uns gewünscht!

Di, 21. Februar, Marschallücke, 2743 m (750 Hm)
Heute Sonnenschein pur. Wir fahren zum Oberalppass und starten in zwei Gruppen, da Hansruedi und Peter sich für zwei Tage anschliessen. Gleich geht’s in richtiges Gelände mit mehr als 10 Spitzkehren. Wir kommen flott voran trotz einigen leicht rutschigen Stellen; ich hätte gerne fliegende Harscheisen. An diese warmen Temperaturen müssen wir uns zuerst gewöhnen. Nach der Pause auf ca. 2400 m kurze Abfahrt, um die heikle Querung zu umgehen. Andere Skitourengänger mit Bergführer traversieren mutig unterhalb der Wechte und ohne grossen Sicherheitsabstand trotz erheblicher Lawinengefahr. Via Tümsli (2684 m) steigen wir im glitzernen Neuschnee zum Grat links vom Pazolastock hinauf. Hier müssen wir die Skis tragen oder am Rucksack befestigen und an der engen Schlüsselstelle mit Hilfe des TLs alles unter einem Felsblock durchschieben. Nach diesem kurzen Kriechgang (für fast alle) sind es nur noch wenige Meter zum Punkt 2743 m, einem Gipfel ohne Namen. Die Aussicht ist exklusiv von den Glarner bis zu den Berner Alpen. Das Gute, man muss nicht auf demselben Weg zurück. Die ideale Route zur Marschallücke muss man aber zuerst suchen. Während andere mit den Skis am Rucksack absteigen, wählt Peter die kühne Abfahrt bzw. das Abrutschen am steilen Schräghang. An der Lücke zweigen wir ab in fantastischen Pulverschnee, genau das brauchen wir! Da ist Peter in seinem Element und findet die absoluten Traumhänge. Weiter unten ist der Schnee nicht mehr so al dente und wir zirkeln uns dem Bahntrasse entlang. Prompt kommt ein Zug entgegen. Der Lokführer macht erwartungsgemäss ein grimmiges Gesicht, als er plötzlich einem Bartmann in der Kurve begegnet, der uns Zeichen gibt zu warten. Danach mogeln wir uns elegant mit Abkürzungen die Piste hinunter fast bis zum Bahnhof Andermatt. Ein wenig stolz sind wir schon, wenn wir vom Zug unsere Spuren ohne irgendwelche Verschneider betrachten. Zurück in Sedrun geniessen wir einen verdienten Drink an der Sonne.

Mi, 22. Februar, P. Pazzola, 2604 m (1200 Hm)
Wieder Sonne pur und immer noch erhebliche Lawinengefahr. Wir fahren via Curaliga nach Drual (1412 m) und starten bei -8° C. Der Bruchharsch gefällt uns weniger. Schon bald wechseln wir auf Tenü light. Es sind wieder einige Spitzkehren zu bewältigen bis über die Waldgrenze. Am Grat sieht es eher nach einer Bergwanderung im Vorwinter aus, mehr Gras und Steine als Schnee und der ist gefroren, dass die Harscheisen nötig sind. Wiederum müssen wir die Skis tragen bzw. am Rucksack befestigen und zu Fuss eine Schnee-Fels-Passage überwinden, eine echte mixed Tour, das gefällt uns. Bis 200 Hm unter den Gipfel können wir noch mit den Skis aufsteigen, dann ist ein Ski- und Rucksackdepot von Vorteil. Zu Fuss, nur mit Windjacke umgehängt, erreichen wir im Nu den Gipfel, der ein fantastisches Panorama bietet, das geniessen wir ausgiebig bei diesem Bilderbuchwetter. Die Abfahrt stellen wir uns weniger deluxe vor. Doch zwischen Piz Ault und unserem Grat finden wir noch schönen Pulverschnee, aber auch das Gegenteil, richtige Falltüren. In Schussfahrt quert Peter die Schräghänge Tegia Nova, dass wir keinen Meter Gegenanstieg haben und präzis unsere Aufstiegsspur treffen. Im Wald kommen dann die verschiedensten Schneearten für starke Beinmuskeln. Der Frühling hat definitiv begonnen gemäss unserem grossen Durst.

Do, 23. Februar, Fellilücke, 2478 m (450 Hm)
Morgenrot und Schleierwolken verkünden eine Wetterverschlechterung. Die Lawinengefahr ist mässig und die Temperatur noch wärmer als gestern, +4° C. Nur 7 Personen fahren zum Oberalppass, leider ohne mich. Wer gestern gestürzt ist, hat einen ordentlichen Schlag bekommen. Auf der Zugsfahrt zur nächsten Apotheke in Disentis träume ich von den schönsten Momenten im Pulverschnee. Auf der anderen Talseite erkenne ich sogar die Spuren unseres gestrigen „Götterquergangs“ über dünne Schneeflächen mit Flechten, Heide, Gras und Kuhfladen. Peters Truppe erzählt mir, dass ich nicht viel verpasst habe. Schlechte Sicht, Aufstieg mit Harscheisen, Abfahrt nicht überwältigend, dafür sei die steinbockstarke Sturheit des Skiliftchefs namens Schmid nicht zu übertreffen: Es gibt keine Einzelbillette für Tourenfahrer. An der Kasse muss dieses Problem zuerst telefonisch mit Herrn Schmid erörtert werden und die Barbezahlung hat an Ort in Dieni bei ihm zu erfolgen.

Fr, 24. Februar, Badus 2928 m (Tourabbruch)
Wieder Postkartenwetter. 5 Personen sind bereit zur krönenden Abschlusstour. Für die andere Hälfte inkl. Schreiberling ist Ruhetag, Schontag, Wandertag angesagt. Abends erfahren wir von der Programmänderung. Der Bahnbetrieb ab Dieni ist wegen eines Lawinenniedergangs eingestellt worden. Also ist ein Skitag die Alternative gewesen. Die Räuberbande ist dann fast pausenlos wie Frischlinge die Piste hinunter gefegt, dem King Schmid war es offenbar egal. Er hat ausrichten lassen, dass 1 Sektion Skilift CHF 20.- pro Person kostet. Das Drama um die Bezahlung hat hiermit noch kein Ende gefunden. Peter hat eine Rechnung verlangt. Auf die Fortsetzung sind wir gespannt. Abends beim Apéro bedankt sich Jörg mit einem SAC-Kartenspiel bei unserem Tourenleiter für sein grosses Engagement und seine geschätzten kompetenten Kommentare und Beurteilungen vor und nach der Tour.

Sa, 25. Februar (Abreise)
Ein letztes Mal treffen wir uns beim Frühstücksbuffet und sind uns bewusst, dass wir wieder eine unvergessliche Skitourenwoche erlebt haben mit viel Witz, Humor, guten Gesprächen und tollem Teamgeist. Herzlichen Dank an alle und chömed immer guet hei.








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